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Glücksspielstaatsvertrag & Pferdewetten: GlüStV Regulierung

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Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 hat die rechtliche Landschaft für Pferdewetten in Deutschland grundlegend verändert. Seit dem 1. Juli 2021 gelten erstmals einheitliche Regeln für alle 16 Bundesländer — ein Novum in einem Land, in dem Glücksspielregulierung traditionell Ländersache ist und Sonderwege wie der Schleswig-Holsteiner Alleingang von 2012 die Norm waren. Pferdewetten im Internet unterliegen seitdem einer Erlaubnispflicht, die von der eigens gegründeten Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder überwacht wird.

Vor dem GlüStV 2021 war die Rechtslage für Online-Pferdewetten uneinheitlich und teils widersprüchlich. Pferdewetten waren zwar über das Rennwett- und Lotteriegesetz von 1922 reguliert, aber dieses Gesetz kannte keine Online-Dimension. Anbieter operierten auf Basis terrestrischer Lizenzen im Netz, ohne dass eine zentrale Behörde die Einhaltung digitaler Spielerschutzstandards kontrollierte. Der GlüStV 2021 schloss diese Lücke — nicht durch ein Verbot, sondern durch ein Erlaubnissystem mit klaren Auflagen.

Die Wettsteuer auf Pferdewetten beträgt nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz 5 Prozent des Wetteinsatzes. Das ist die fiskalische Seite. Die regulatorische Seite — wer darf anbieten, unter welchen Bedingungen, mit welchen Spielerschutzauflagen — regelt der GlüStV 2021. Für jeden, der in Deutschland legal auf Pferderennen wettet oder wetten will, ist dieses Gesetz die maßgebliche Rahmenbedingung.

Konkrete GlüStV-Vorschriften für Pferdewetten Anbieter

Der Glücksspielstaatsvertrag erfasst Pferdewetten als eigenständige Kategorie, getrennt von allgemeinen Sportwetten. Diese Trennung hat historische Gründe: Pferdewetten werden in Deutschland seit 1922 durch das Rennwett- und Lotteriegesetz reguliert — eines der ältesten noch geltenden Steuergesetze des Landes. Der GlüStV 2021 ergänzt dieses Gesetz, indem er die Online-Dimension regelt, die 1922 naturgemäß nicht vorgesehen war.

Konkret schreibt der GlüStV 2021 vor, dass die Veranstaltung und Vermittlung von Pferdewetten im Internet einer Erlaubnis bedarf. Diese Erlaubnis wird nach den §§ 4 bis 4c GlüStV 2021 in Verbindung mit dem Rennwett- und Lotteriegesetz erteilt. Voraussetzung ist, dass der Anbieter bereits über eine Buchmacher- oder Totalisatorerlaubnis nach dem RennwLottG verfügt. Ohne diese terrestrische Grundlizenz gibt es keine Online-Erlaubnis — der GlüStV baut also auf dem bestehenden RennwLottG auf, statt es zu ersetzen.

Die inhaltlichen Auflagen umfassen Spielerschutzmaßnahmen, die für alle Online-Glücksspielformen gelten: Identitätsprüfung bei der Registrierung mittels Video-Ident-Verfahren, monatliche Einzahlungslimits von maximal 1.000 Euro über alle Anbieter hinweg, individuelle Sperrmöglichkeiten und die Pflicht zur Anbindung an das zentrale Sperrsystem OASIS. Für Pferdewetten gelten darüber hinaus spezifische Vorgaben zur Art und zum Zuschnitt der angebotenen Wetten — nicht jede Wettart ist automatisch erlaubt, sondern muss von der zuständigen Behörde genehmigt werden.

Die 1.000-Euro-Einzahlungsgrenze verdient besondere Beachtung. Sie gilt anbieterübergreifend und wird über die OASIS-Datenbank koordiniert. Wer bei Anbieter A 600 Euro eingezahlt hat, kann bei Anbieter B im selben Monat nur noch 400 Euro einzahlen. Dieses Limit betrifft alle Online-Glücksspielformen, nicht nur Pferdewetten. Es soll problematisches Spielverhalten begrenzen, schränkt aber auch die Handlungsspielräume professioneller Wetter ein, die mit höheren Volumen arbeiten.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Werbung für Pferdewetten im Internet unterliegt den Werberestriktionen des GlüStV 2021. Zwischen 6:00 und 21:00 Uhr ist Glücksspielwerbung im Rundfunk und in audiovisuellen Medien grundsätzlich verboten. Seit September 2024 hat Google seine Werberichtlinien auf Initiative der GGL angepasst — nur noch Anbieter mit gültiger deutscher Lizenz dürfen über Google Ads werben. Das reduziert die Sichtbarkeit illegaler Angebote in der Suche und stärkt lizenzierte Anbieter. Für Wetter bedeutet das: Wenn Sie über eine Google-Anzeige zu einem Pferdewettenanbieter gelangen, ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass dieser tatsächlich lizenziert ist. Eine Garantie ist es nicht — aber ein zusätzlicher Filter.

GGL-Erlaubnis: Wer darf Pferdewetten im Internet anbieten?

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder mit Sitz in Halle an der Saale ist seit dem 1. Januar 2023 für die Erlaubniserteilung und Aufsicht über Pferdewetten im Internet zuständig. Im Jahr 2024 beaufsichtigte die Behörde insgesamt 141 lizenzierte Anbieter über alle Glücksspielkategorien hinweg und bearbeitete 230 Erlaubnis- und Änderungsanträge, wie aus dem Tätigkeitsbericht 2024 der GGL hervorgeht.

Für Pferdewetten im Speziellen ist die Zahl der zugelassenen Anbieter überschaubar. Das Erlaubnisverfahren ist aufwendig: Antragsteller müssen neben der bestehenden Buchmacher- oder Totalisatorerlaubnis auch technische Nachweise erbringen — insbesondere zur IT-Sicherheit, zur Funktionsfähigkeit der Spielersperrmechanismen und zur Anbindung an den Safe-Server der GGL, über den die Behörde das Spielverhalten in Echtzeit überwachen kann. Dieser Aufwand erklärt, warum nicht jeder terrestrische Buchmacher mit Pferdewettenlizenz automatisch auch online anbietet.

Die ehemalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig, hat die Erwartung formuliert: „Die zuständige Aufsichtsbehörde darf kein zahnloser Tiger sein, sondern muss rigoros durchgreifen.“ Dieser Anspruch zeigt sich in der Praxis. Die GGL hat 2024 insgesamt 231 Untersagungsverfahren gegen illegale Anbieter eingeleitet und rund 450 Glücksspielseiten für deutsche Nutzer unzugänglich gemacht.

Für den Wetter bedeutet das: Ob ein Anbieter von Pferdewetten legal operiert, lässt sich über die öffentlich zugängliche Whitelist der GGL überprüfen. Die Liste wird monatlich aktualisiert und enthält alle Anbieter, denen eine gültige Erlaubnis erteilt wurde. Wer bei einem nicht gelisteten Anbieter wettet, bewegt sich rechtlich in einer Grauzone — auch wenn dieser Anbieter eine EU-ausländische Lizenz besitzt.

Ausblick: Evaluierung und mögliche Änderungen

Der GlüStV 2021 ist kein statisches Gesetz. Er enthält eine Evaluierungsklausel, die vorsieht, dass die Regelungen auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Dieser Prozess wurde 2024 intensiv von den Ländern begleitet. Erste Anpassungsbedarfe hat die GGL bereits identifiziert — insbesondere bei den Aufsichtsbefugnissen gegenüber internationalen Akteuren und der Anwendbarkeit von IP-Blocking. Die GGL hat zudem eine wissenschaftliche Studie zur Bemessung des Schwarzmarktes initiiert, deren Ergebnisse für Ende 2025 erwartet wurden und die Datengrundlage für weitere regulatorische Entscheidungen liefern sollen.

Für Pferdewetten könnten sich Änderungen im Bereich der Werberestriktionen ergeben. Aktuell gelten für Pferdewetten dieselben Werberegeln wie für andere Glücksspielformen, obwohl der Gefährdungsgrad als geringer eingestuft wird als bei Spielautomaten oder Online-Poker. Eine Lockerung der Werbebeschränkungen für Pferdewetten — wie sie in Frankreich und Großbritannien üblich ist — wird von Branchenvertretern gefordert, ist aber politisch umstritten. Frankreich etwa erlaubt Pferdewettenanbietern deutlich freiere Werbeformate, was zu einer höheren Marktpräsenz und breiteren Zielgruppenansprache führt.

Auch die Frage der Einsatzlimits steht im Raum. Die pauschale 1.000-Euro-Monatsgrenze wird von Pferdewettenspezialisten als zu starr kritisiert, weil sie die Besonderheiten des Totalisatorgeschäfts nicht berücksichtigt. Am Totalisator finanzieren höhere Einzeleinsätze die Poolgrößen und damit die Quotenqualität für alle Teilnehmer. Eine Absenkung oder starre Begrenzung der Einsätze könnte die ohnehin kleinen deutschen Pools weiter schrumpfen lassen.

Was sich absehbar nicht ändern wird, ist die Grundstruktur: Erlaubnispflicht, GGL-Aufsicht, Spielerschutzauflagen. Der GlüStV 2021 hat einen Rahmen geschaffen, der Pferdewetten in Deutschland aus der regulatorischen Unsicherheit der Vorjahre herausgeholt hat. Für den einzelnen Wetter heißt das: Wer bei einem lizenzierten Anbieter wettet, tut das auf einer klaren rechtlichen Grundlage. Und wer das nicht tut, sollte wissen, dass die Behörden aktiver gegen illegale Angebote vorgehen als je zuvor.

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